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Türkei - Reichtum im Schatten der Armut oder: Zahlen, die nachdenklich machen
Immer wieder erscheinen in der deutschsprachigen Presse Berichte, die auf die großen wirtschaftlichen Erfolge der Türkei seit der Regierungsübernahme durch die AKP hinweisen. Dazu gehört auch, das Istanbul als Beweis für diesen wirtschaftlichen Aufschwung dargestellt wird. Wir denken dabei an Bilder und Berichte in Illustrierten und Reportagen im Fernsehen über großzügige Apartments und fantastische Villen, die keinen Vergleich mit europäischen Immobilien scheuen brauchen. Und im Idealfall gehört dazu auch der unverbaubare Blick auf den Bosporus.
Inwieweit stimmen diese Berichte mit der Wirklichkeit in der Türkei überein, fragt die Redaktion der ATR in einer neuen Serie. Dabei werden in lockerer Reihenfolge verschiedene Fakten einander gegenübergestellt.
«In dieser Reihe geht es nicht etwa darum, die wirtschaftlichen Erfolge der Türkei in Abrede stellen zu wollen», erklärt der Chefredakteur der Aktuellen Türkei Rundschau Jürgen P. Fuß. «Uns geht es vielmehr darum, einer einseitigen und schönfärberischen Berichterstattung die Realität gegenüber zu stellen. Denn: Tatsache ist, dass an einem Großteil der türkischen Bevölkerung bisher der Wohlstand weitgehend spurlos vorübergegangen ist.»
BEISPIEL: TRAUMVILLA
Natürlich ist es richtig, dass es mittlerweile in Istanbul eine Bevölkerungsgruppe die, die sich ein komfortables Apartment oder eventuell sogar ein Reihenhaus leisten kann. Und einige Wenige haben es sogar mittlerweile zu einer Villa gebracht. Doch mit den Wohnverhältnissen der türkischen Bevölkerung - auch dem Teil, der mittlerweile in der 12- bis 17-Millionen-Metropole Istanbul lebt (niemand kennt die genaue Zahl) haben diese Bilder absolut nichts gemeinsam.
Ein Beispiel: Selbst wenn es mittlerweile rund 10.000 Reihenhäuser in Istanbul geben würde - eine Zahl, die mit großer Wahrscheinlichkeit viel zu hoch gegriffen ist - würde nur ein vernachlässigbar kleiner Teil der Istanbuler davon profitieren können. Da die moderne türkische Familien aus kaum mehr als vier bis fünf Mitgliedern besteht, kommen und 40. bis 50.000 Einwohner in den Genuss dieses zeitgemäßen Wohnkomforts.
50.000 Menschen von rund 15 Millionen Einwohner: das sind gerade einmal 0,3 Prozent!
Doch eigentlich muss diese Zahl noch korrigiert werden. Denn man kann getrost davon ausgehen, dass mindestens 10 bis 20 Prozent dieser Reihenhäuser von Europäern genutzt werden, die von ihren Firmen an das Führungskräfte nach Istanbul geschickt worden sind, um in denen dortige Niederlassungen oder Jointventures zu arbeiten. So dass der Anteil der Reihenhäuser, die auf türkische Familien entfällt eher bei 0,2 Prozent liegt.
Die andere Zahl: Nach Experten Schätzungen von Wind und leben mindestens ein bis zwei Millionen Menschen in Istanbul in völlig unzulänglichen Wohnverhältnissen, teilweise mit unzureichender Kanalisation, veralteten Wasserleitungen und störanfälliger oder sogar gefährlicher Elektroinstallation.
Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 6,5 bis 13 Prozent. Doch Berichte über diesen Teil der Bevölkerung, die einen ungleich höheren Anteil als die Haus- und Apartment-Bewohner, sind für die deutschsprachige Presse weniger interessant.
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Die ATR-Serie «Reichtum im Schatten der Armut oder: Zahlen, die nachdenklich machen» wird demnächst fortgesetzt.
Aktuelle und unzensierte Berichte über die Türkei finden Sie in jeder Ausgabe der Aktuellen Türkei Rundschau (ATR) und im monatlich erscheinenden AKTUELLEN TÜRKEI MAGAZIN (ATM).
Erscheinungstermin ist jeweils freitags 15:00 Uhr (deutsche Zeit) im Internet. Dort stehen die ATR-Ausgaben für Abonnenten zum Download bereit.
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21.10.2008
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