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Immobilien News


Schikane oder Hilfe?


Was der Energieausweis wirklich bringt.

Christian Gräbert ist Ansprechpartner für Hausbesitzer und Mieter, Makler und Hausverwaltungen. Als Bausachverständiger weiß er, wie eine Immobilie beurteilt wird. Business League Magazin sprach mit ihm über Pro und Kontra des Energieausweises.

Herr Gräbert, als Bauingenieur und unabhängiger Sachverständiger sind Sie täglich mit Unsicherheiten konfrontiert, die den neuen, per Gesetz vorgeschriebenen, Energieausweis betreffen. Für wen ist ein solcher Ausweis sinnvoll? Was ist der Unterschied zwischen Verbrauchs- und BedarfsEnergieAusweis?

Der Verbrauchsausweis informiert darüber, wie hoch der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser beim Vormieter in den letzten drei Jahren durchschnittlich war. Es kann jedoch nicht beurteilt werden, wie sparsam oder verschwenderisch die Vormieter mit Heizung und Warmwasser umgegangen sind. Deshalb ist m.E. der Verbrauchsausweis nicht aussagekräftig und man hat nur dem Gesetz genüge getan, jedoch nicht dem eigentlichen Ziel. Leider hat der Gesetzgeber in der o.a. Übergangsfrist die Wahlmöglichkeit zwischen beiden Energieausweisen gelassen. Wegen des Gültigkeitszeitraums von 10 Jahren gibt es nun viele Energieausweise, die meiner Meinung nach wertlos sind. Besser ist der Bedarfsausweis. Er basiert auf einer fachmännischen Untersuchung von Bausubstanz und Heizungsanlage. Je nach energetischem Zustand des Gebäudes wird berechnet, wie die zu erwartenden Kosten für Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung bei durchschnittlicher Nutzung liegen. Damit werden Immobilien halbwegs vergleichbar, was den energetischen Zustand betrifft. Das ist wie beim Auto. Hier wird der Verbrauch von den Herstellern auch als Durchschnittswert angegeben, um dem Kunden eine Kaufentscheidung an die Hand zu geben.

Als Energieberater kommen Sie ins Haus und geben, wenn es erforderlich ist, Modernisierungsempfehlungen. Davon müssten die Eigentümer und Mieter doch begeistert sein?

Das sind sie zunächst in der Tat, wenn sie erfahren, wie viel Energiekosten Sie durch die Maßnahme in 5, 10, oder 20 Jahren einsparen könnten. Wenn dann jedoch, nach Aushändigung des vorgeschriebenen Beratungsberichtes die Höhe der erforderlichen Investition fest steht, legt sich diese Begeisterung recht schnell, denn die Wirtschaftlichkeit der Gesamtsamtsanierung ergibt sich i.d.R. erst nach Jahren, oft sind es 20 Jahre und mehr. Die aktuelle Finanzkrise und die Entwicklung der Energiekosten zeigt jedoch deutlich, in welchen Zeiträumen Berechnungen Sinn machen oder eben nicht. Ich komme übrigens nicht nur als Energieberater, sondern auch immer als Bausachverständiger ins Haus. Und daher ergeben sich auch viele Fragen. Muss man für erhaltenswerte Fassaden einen Vollwärmeschutz einsetzen? Ist eine geforderte Dämmstoffdicke von 140 mm überhaupt sinnvoll? Was würde ein neues Heizungssystem kosten? Muss ich neue Fenster einbauen? Sehr wichtig ist, dass die Menschen fachkompetent beraten werden. Jeder weiß, dass eine unsachgemäße Sanierung das Wohnraumklima und damit die Gesundheit beeinträchtigen kann. Die Schimmelpilzbildung ist da sicher am bekanntesten. Ich verstehe mich da nicht nur als Berater, sondern rate oft auch mal ab! Erschwerend kommt hinzu, dass sich sowohl gesetzliche Anforderungen als auch Förderrichtlinien in kurzen Zeitabständen mehrfach geändert haben. Und die neue EnEV 2009 mit nochmals strengeren Richtlinien ist bereits beschlossen. Es besteht nach meiner Meinung die Gefahr, dass bei rein energetisch bedingten Sanierungen, das Wohnklima nachhaltig verschlechtert wird. Beispiele dafür sind luftdichte Konstruktionen, dichte Fassaden und Dächer und natürlich hochdichte neue Fenster. Die Folge: Schimmelpilz Der Energieausweis hat übrigens nur informierenden Charakter. Ansprüche auf Durchführung von Modernisierungen können dadurch nicht erhoben werden.

Kann sich ein Laie in diesem Dschungel überhaupt orientieren und wie findet man einen kompetenten Fachmann?

Ganz klar NEIN. Der Mehrheit dürfte es kaum gelingen, sich mit bauphysikalischen Gegebenheiten kritisch auseinanderzusetzen. Hier stelle ich gern mal als Bausachverständiger kritische Fragen. Ist es gesund, in einem vollkommen luftdichten Haus zu wohnen? Weshalb heizt man nicht die Wände, sondern nur die Luft? Warum hat der Schimmelpilzbefall in den letzen Jahren so gravierend zugenommen – und weshalb sind davon überwiegend neue oder neu sanierte Gebäude betroffen? Warum wird die Speicherfähigkeit von Mauerwerk bei Wärmebedarfsberechnungen vollständig außer Acht gelassen? Warum kann man im Winter an Außenflächen von gedämmten Gebäuden oft Kondenswasser feststellen? Weshalb hatte der gute alte Kachelofen solch enorme Behaglichkeitsvorteile, gegenüber heute üblichen Heizkörpern?

Es gibt Alternativen. Jedoch werden diese in vielen Bereichen wegen veralteter Denkweisen und dem Festhalten an etablierten Technologien nicht ausreichend bekannt gemacht.

Wie gesagt, beraten heißt auch immer mal wieder abraten.

Schikane ist der Energieausweis also sicher nicht, aber ob er Hilfe ist, muss er erst noch beweisen!


25.11.2008



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